musikerinnen historisch

 

Hildegard
von Bingen

(1098-1179)

 

Hildegard von Bingen war eine bemerkenswerte Frau: Naturheilkundlerin, Dichterin, Komponistin, Seherin. Zu Zeiten, als noch wenige Frauen schrieben, war sie bekannt als die "Rheinische Sybille". Sie kannte die Heilkraft der Natur und schrieb Abhandlungen zur Naturgeschichte und der Naturheilkunde von Pflanzen, Tieren, Bäumen und Steinen. Den Frauen gewährte man damals kaum Respekt. Aber Hildegard wurde von Bischöfen, Päpsten und Königen aufgesucht, um sie zu beraten.


Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.bingen.de/kultur/

Sie ist die erste Komponistin, deren Biografie dank ihrer regen Korrespondenz überliefert ist. Ihre Musik wurde vermutlich schon zu ihren Lebzeiten in einem Kloster aufgeführt, dessen Gründerin und Äbtissin sie war. Das Interesse an dieser ungewöhnlichen Frau aus dem Mittelalter lebte wieder auf, als sich Wissenschaftler unterschiedlicher Fakultäten mit ihr befassten: Musikwissenschaftler, Geschichtsforscher und Naturheilkundler.

Byzantinische Einflüsse

Was hat Hildegard von Bingen mit Worldmusic zu tun? Obgleich Europäerin, war sie stark von der Musik Konstantinopels beeinflusst. (Wer's aus dem Geschichts-unterricht vergessen hat: Konstantinopel war die Hauptstadt des byzantinischen Reiches und wurde um 336 n. Chr. von Konstantin dem Großen gegründet als das zweite Rom; 1435 eroberte Sultan Mohammed II die Stadt, seitdem ist der Islam führende Religion; heute trägt die Stadt am Bosborus den Namen "Istanbul").


Celestial Stairs
Ordo Virtutum
"The Soul's Journey"


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Biografie

In ihrem für mittelalterliche Verhältnisse langen Leben prägten Hildegard (1098-1179) vor allem drei Orte: den Disibodenberg, Eibingen und den Rupertsberg, mit dem sich die fruchtbarsten Jahrzehnte ihres Lebens verbinden. Den Namen der große Benediktinerin des 12. Jahrhunderts gebrauchte zum ersten Mal Kaiser Friedrich I.: Nach der Begegnung mit der furchtlosen Prophetin in der Kaiserpfalz zu Ingelheim 1154 schreibt er ihr einen ehrfurchtsvollen Brief und nennt sie "Frau Hildegard von Bingen". Andere Zeitgenossen beschreiben Hildegard als "Edelstein Bingens" und "Rheinische Sybille".

Als zehntes Kind der Edelfreien Hildebert und Mechthild wurde Hildegard 1098 im rheinhessischen Bettnersheim, dem heutigen Bermersheim, geboren. Schon als Kind machte sie die Erfahrung geheimnisvoller Wahrnehmungen, die sie aber ängstlich verbarg. Ihre Eltern waren nicht reich und entschlossen sich daher, ihr zehntes Kind als Zehnten Gott zu weihen. Als sie gerade acht Jahre alt war, gaben sie Hildegard in die Obhut der Jutta von Sponheim, für die ihr Vater, der Graf von Sponheim, im Bereich des Benediktinerklosters Disibodenberg eine Klause hatte errichten lassen. Hier erhielt Hildegard Unterricht, und im Umgang mit der Bilderwelt der Bibel entfaltet sich die Kraft ihrer schauenden Theologie. In der zum kleinen Kloster wachsenden Klause auf dem Disibodenberg entsteht ihr erstes Visionswerk "Scivias" - Wisse die Wege.

Nach dem Tode ihrer Lehrmeisterin Jutta im Jahre 1136 übernahm Hildegard die Leitung der in das Benediktinerkloster eingebetteten Nonnengemeinschaft.  In der Zeit zwischen 1147 und 1150 verließ sie mit ihren etwa zwanzig Schwestern das Gastkloster Disibodenberg und errichtete über dem Grab des Binger Heiligen Rupertus ihr erstes eigenes Kloster Rupertsberg (Bingen-Bingerbrück). In dem Kloster lebt und wirkt Hildegard bis zu ihrem Tod 1179.

Auf dem Rupertsberg entfaltet sich das prophetische Charisma Hildegards. Es entstehen zwei große visionäre theologische Werke: "Das Buch der Lebensvergeltung" (Liber vitae meritorum) und "das Buch der Gotteswerke" (Liber divinorum operum).  

Das "Ordo Virtutum" ist das älteste überlieferte Musikdrama. Es erzählt die Vision der reinen Seele, die auf ihrer Reise zur Fleischwerdung vom Teufel verführt wird. Die Tugenden aber siegen und nehmen die zurückgekehrte Seele wieder in ihre Gemeinschaft auf.

Musik ...

... war für Hildegard außerordentlich wichtig. Sie beschreibt sie als ein Mittel, die ursprüngliche Freude und die Schönheit des Paradieses wiederzuerlangen: Nach ihrer Vorstellung hatte Adam vor dem Sündenfall eine reine Stimme und sang mit den Engeln, um Gott zu preisen. Nach dem Sündenfall wurde die Musik erfunden und Musikinstrumente, um Gott zu ehren. Dies ist vielleicht der Grund, warum ihre Musik oft mit dem Gesang der Engel verglichen wird.

In der Tat: Wenn Sie heute CDs mit Antiphonen (psalmähnliche religiöse Gesänge, die nicht Bestandteil des Gottesdienstes sind) der Hildegard von Bingen hören, werden Sie zugeben müssen, dass der Gesang durchaus überirdisch klingt: Glasklar und rein, man wähnt sich unweigerlich dem Himmel näher.

Hildegard schrieb Hymnen und Sequenzen zu Ehren der Heiligen und der Jungfrau Maria. Ihre Kompositionen sind in der Tradition einstimmiger (gregorianischer) Gesänge, dem liturgischen Kompositionsstil jener Zeit.