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Datum: 17. Juli 2003
La reina
Zum Tode Celia Cruz'
"Königin der Salsa": Celia Cruz (dpa)

Niemand, der ihre Stimme zum ersten Mal hörte, hätte sie für
eine weibliche gehalten. Tito Puente sagte Jahre später über seine
erste Begegnung mit Celia Cruz: "Ich konnte diese Stimme kaum glauben.
Sie war so kraftvoll und energisch. Ich hätte schwören können,
dass sie einem Mann gehörte, weil ich eine Frau nie so hatte singen hören."
Man nannte sie "la reina de la salsa", die Königin der Salsa,
und da fängt es auch schon an, das problematische Verhältnis, das
die Exil-Kubanerin mit der Insel verband, wo sich Musiker gegen den Begriff
US-amerikanischer Prägung, "Salsa", stets gewehrt haben.
In Havanna geboren, vielleicht 1929 oder 1928 oder sogar 1921, so genau hat sie sich zu diesem Thema nie geäußert, wuchs Celia Cruz in ärmlichen Verhältnissen im Barrio Santos Suárez auf, mit drei Geschwistern und umgeben von zehn Nichten, Neffen und Cousinen. Ihr erstes Paar Schuhe soll sie von einem Touristen bekommen haben, für den sie sang, aber vielleicht gehört das eher zum Celia-Mythos.
Ihren ersten öffentlichen Auftritt feierte sie Ende der 40er bei der Radioshow "La Hora de Té", wo sie den Tango Nostalgia in Bolero-Tempo sang. Sie gewann eine Torte und landete einen nationalen Hit. Anfang der 50er Jahre feierte Celia ihre ersten großen Erfolge mit der Combo "La Sonora Matancera", heiratete später den Trompeter der Band, Pedro Knight, mit dem sie die folgenden 42 Jahre ihres Lebens verbrachte. Beide verließen Kuba am 15. Juli 1960, eineinhalb Jahre nach dem Sieg der Revolution. In Interviews hat Celia Cruz häufig erzählt, wie Staatschef Fidel Castro ihr Jahre später die Einreise verweigerte, um ihre kranke Mutter zu besuchen und am Begräbnis ihres Vaters teilzunehmen. Später kehrte sie aus Protest nie mehr auf die Insel zurück, weigerte sich oft, gemeinsam mit Musikern "von der kommunistischen Insel" aufzutreten - und wurde damit zur Ikone der 700 000 Exilkubaner von Miami.
Die politische Hintergrundbegleitung mag ihren Aufstieg beschleunigt haben - Celia Cruz hielt Doktorwürden der Universitäten von Yale, Miami und der Florida International University. Neben dem obligatorischen Stern in Hollywood wurde in Miami 1990 die Calle Ocho in "Celia Cruz Way" umbenannt. San Francisco erklärte den 25. Oktober 1997 zum "Celia Cruz Day". 1994 überreichte ihr US-Präsident Bill Clinton im Weißen Haus die "National Medal of Arts". Allein mit ihrer großartigen warmen, tiefen, kraftvollen Stimme allerdings haben die fünf Grammys zu tun, mit denen sie ausgezeichnet worden ist, dazu zwei Grammys Latinos. Von ihren 76 Alben wurden zahlreiche mit Gold und Platin ausgezeichnet. Ihren letzten großen Hit hatte sie mit La vida es un carnaval.
Celia Cruz ist am Mittwoch in New Jersey an den Folgen eines Krebsleidens gestorben, zwei Tage nach Compay Segundo, der Buena-Vista-Legende von der "kommunistischen Insel", dessen Tod Celias Mann ihr bis zuletzt verschwiegen hatte. Auf ihren Wunsch soll sie in Miami bestattet werden, wo viele Radiostationen am Mittwoch nachmittag ihr Programm unterbrachen.
Einem Journalisten der New York Times hat die "Königin der Salsa" einmal gesagt: "Eines Tages werde ich sterben, und ich möchte, dass die Leute dann sagen: Celia Cruz ist gestorben, aber da ist jemand, der ihre Stelle übernehmen kann." Dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen.
KARIN CEBALLOS BETANCUR