
13 Chansons, ein Versuch von Francoise, ihre Probleme mit Musik und Liedtexten zu bewältigen. Das Album enstand während einer für sie persönlich schwierigen Lebensphase. Freunde wie Etienne Daho (Sänger, Schauspieler und Autor der Hardy-Biografie "Eremite et Superstar") rieten ihr als Therapie, ihren Schmerz in Liedern auszudrücken. - Das Ergebnis: Starke Lyrik verbindet sich mit einer Synthese aus Chanson und Rock-Musik. Die CD erhielt sehr gute Kritiken - auch in Deutschland. ... Zugegebenermaßen bevorzuge ich bei Francoise die einfacheren Arrangements mit akustischen Instrumenten wie Gitarre und Piano, die ihre Stimme sanfter begleiten.
Mit "Le Danger" ging sie einen durchaus risikoreichen Weg: Sie nahm mit einem neuen Label ("Virgin") auf und ließ sich begleiten von Alain Lubrano und Rodolphe Burger, beide eher der Rock-Musik und Underground zugeneigt (die Begleitung durch synthetische Instrumente hatte in einem früheren Album zu Schwierigkeiten geführt, da ihre Stimme nicht sehr laut ist). Daher begegnete sie den von den beiden Musikern vorgeschlagenen Melodien mit eindringlicheren Texten. Gleichzeitig identifizierte sich Francoise mit den Texten von "Le Danger" wie nie zuvor und dies, obgleich Francoise immer wieder auf die autobiografischen Hintergründe ihrer Lieder hinweist.
* * *
Den nebenstehende Artikel mit einer ausgezeichneten
Analyse der Aussagen von Francoise Hardy in "Le Danger" verfasste
meine Freundin Paule aus Brüssel. Ich habe den Text übersetzt,
aber manche Details weggelassen, weil sie Infos zu Francoise beinhalten,
die stärker an die französische Szene gebunden sind. - Um
dennoch niemandem etwas vorzuenthalten, habe ich auf einer weiteren
Seite den Originaltext von Paule angefügt.
This article was written by my friend Paule from
Brussels, Belgium, and includes an excellent analysis of the messages
in Francoise Hardy's cd "Le Danger". I have shortened the
text a litte, but you can read the original
version by click.
Merci beaucoup, Paule!
Voici la version francaise de ce texte ...
Wer gerne eine andere Version des Chansons "Un peu d'eau" kennen lernen möchte, hier der Hinweis: Es gibt noch eine Remix-Version von den Studios von David Richards (dem sie übrigens schon 1989 ein Remix für "En résumé en conclusion" und "Je ne suis là pour personne" anvertraut hatte) in Montreux - auf Bitte von Francoise, die mit der ersten Version nicht sehr zufrieden war.
Mit Ausnahme von zwei Liedern ("Un peu d'eau" und "Regarde-toi"), deren Melodien Jean-Noel Chaléat beisteuerte und die einen Hoffnungsschimmer aufzeigen, ist die ganze Platte eher düster. Man begegnet den Farben Rot, die für die enttäuschte Leidenschaft steht, und Schwarz als Symbol der Asche, die diese Leidenschaft hinterlassen hat.

Francoise wendet sich an Rodolphe Burger, ihrem
Lieblingskomponisten, Bandleader der Gruppe Kat Onoma. Sie verpasst
keines seiner Konzerte in Paris und bewundert vor allem seine Kunst,
Melodien "in Schleifen" zu komponieren.
Es sind diese "musikalische Schleifen", die, gestützt
durch den schneidenden Klang der Gitarren, zur Entstehung des herrlichen
Chansons "Dix heures en été" (10 Stunden im Sommer)
führen. In diesem Lied wird man Zeuge des Scheiterns einer verliebten
Leidenschaft, was umso schmerzlicher ist, da Verrat die Ursache war.
- Dieses Lied knüpft wiederum an die für Francoise so bedeutsamen
Themen an, die auch in anderen Chansons immer wieder vorkommen, wie
in "Je suis de trop ici" (Ich bin hier eine zuviel) sowie
in "J'aurais voulu" (Ichhätte gerne gewollt): das Thema,
in dem der andere entweder nicht oder nicht mehr die Liebe beantwortet
und die Liebende in einem Zustand nahe der Bedeutungslosigkeit lässt.
Burger liefert ihr zwei weitere schöne Melodien - für "Contre-jour"
und "La Beauté du Diable". "Contre-Jour"
(Gegenlicht) handelt von Menschen, die sich gerne an langweiligen Orten
aufhalten und die Farbtöne grau und pastellblau am liebsten haben
- mit anderen Worten, die es vorziehen, darunter zu leiden, dass sie
es nicht gewagt haben, sich der Leidenschaft der Liebe hinzugeben und
infolgedessen mit lauem Gefühl und ewigem Bedauern oder eben mit dem
Geschmack von Asche im Mund ("dans la bouche un goût de cendres")
leben.
"La Beauté du Diable" hat einen temperamentvolleren
Tonfall, der es Francoise erlaubt, die Anziehungskraft der Liebe wachzurufen,
die so unwiderstehlich ist, dass sie sogar den Zerstörer mit einbezieht:
"Sa beauté du diable entraîne qui la voit de trop près vers la
folie, à jamais vous démolit par son absence". (Seine teuflische
Schönheit reisst jeden, der ihr zu nahe kommt, mit in den Wahnsinn, um
Sie niemals mit seiner Abwesenheit zu ruinieren.)
Das Lied "Le Danger" (der Cover-Song des Albums) wurde von
Alain Lubrano komponiert (er hatte schon einige Jahre zuvor zusammen
mit Francoise "Si ca fait mal" geschrieben) und spricht -
mit viel Mitgefühl und Intelligenz - den Krebs an, einer Krankheit,
an der sie Mutter des Komponisten gestorben ist. Francoise abstrahiert
das Thema, indem sie unterschiedliche Gefahren in ihre Betrachtung mit
einbezieht, egal ob es sich um eine körperliche Krankheit oder
mehr psychische Ursachen handelt, und mundert dazu auf, dies einfach
hinzunehmen.
Eine andere Melodie von Alain Lubrano inspirierte Francoise zu der Lyrik
zu "A sa merci". Dies beschreibt eine andere Form des
Sich-in-Gefahr-begebens oder des schicksalsergebenen Opfers, denn wenn
man wirklich jemanden zu sehr liebt, wie es hier in dem Chanson heisst,
bedeutet das, sich dem anderen anpassen, indem man bedingungslos liebt
- ein Zustand der Überheblichkeit (!), der möglicherweise
dazu führt, dass man zum Sklaven des anderen wird. "Risquer
le tout pour le rien" - alles riskieren für nichts - gibt
dem anderen die Macht, nicht so zu reagieren wie von dem Liebenden erwartet
wird, was zu Leid, zur Vernichtung führt, dazu, dass man zu Staub
wird ("tomber en poussière").
Sechs weitere Melodien dieses Albums stammen ebenfalls von Alain Lubrano.
Hierbei ist "Mode d'Emploi" ein Chanson, in dem Francoise
zugibt, dass sie einige Schlüssel für sich behält, die
Zugang zum anderen gewähren würden (Ihr Interesse an der Psychologie,
insbesondere der Schule
von Palo Alto, und ihre Leidenschaft für die konditionelle
Astrologie, die sie professionell praktiziert sind bestimmt nicht unbekannt),
aber sie weigert sich, sie einzusetzen: Sie hasst jede Form der Manipulation.
Auch in "Les Madeleines" geht es um die Frage von Manipulation,
die Francoise in eher scherzhaften Wortlaut anspricht: Wenn du tatsächlich
vom anderen erwartest, dass er dir ein schmeichelhaftes Bild von dir
zurück gibt, wirst du für den anderen eine leichte Beute.
Wie die Ruhe auf den Sturm folgt, so kommt es vor, dass als einziges
Gegenmittels zur Loslösung das Herbeiführen des Endes sein
kann, um der Zerstörung des Ichs entgegenzuwirken. In dem Lied
"Regarde-toi" antwortet Francoise auf die Gleichgültigkeit
und die Missbilligung durch den anderen mit der Lebensweisheit "Je
t'aimerai pour deux" (Dann liebe ich dich eben für zwei). Sie erreicht
hier die obere Oktave der Liebe, dieser altruistisch beflügelten
Liebe, die keinerlei Gegenleistung fordert ..., aber auch nicht unter
dem eigenen Verlust, dem eigenen Opfer leidet: Wenn man nichts mehr
erwartet, ist man frei zu lieben und ohne durch die eigenen Erwartungen
befangen ...
Francoise fürchtete nach diesem Album (wiedermal - Anmerkung: d.
Übers.), nie wieder etwas so Starkes schreiben zu können:
Sie, für die die Leidenschaft der Liebe immer die Triebfeder ihrer
Texte war, fragte sich, ob sie eines Tages je wieder schreiben könne
...
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