
Die 1970er Jahre bringen für Francoise eine Wende: Stets publikumsscheu und häuslich, hatte sie sich 1968 aus dem Tumult großer Tourneen zurückgezogen. Dennoch: Ihre weiterhin rege Präsenz zeigt sich in zahlreichen Plattenaufnahmen. Meilensteine bildeten in den 70er Jahren ihre Zusammenarbeit mit der Brasilianerin Tuca ("Viens"), mit Michel Berger ("Message Personnel") sowie Catherine Lara und Hughes de Courson ("Entr'acte"). Für Francoise persönlich essentiell: Ihre Beziehung zu Jacques Dutronc stabilisiert sich allmählich. Noch wesentlicher: 1973 erblickt ihr Sohn Thomas das Licht der Welt. - Diese glückliche Erfahrung beeinflusst auch ihre Texte: Liebe bleibt nicht mehr unerwidert, Francoise begreift Liebe als Aufgabe, die Engagement und Geduld erfordert.
The 1970s are a change for Francoise: Being shy and home-loving, she had withdrawn from the turmoil of tours. But she showed her presence by numerous records. Milestones were her cooperation with the Brasilian Tuca ("La Question"), Michel Berger ("Message Personnel" - vinyl album), Catherine Lara and Hughes de Couson ("Entr'acte"). For Francoise important: Her relationship with Jacques Dutronc gets more stable. Even more essential: In 1973, their son Thomas was born. This happy experience has an impact on her lyrics: Love no longer remains unrequited, Francoise understands love as a task, which requires engagement and patience.

Francoise, stets enorm selbstkritisch, ja pessimistisch gegenüber ihren eigenen Werken, betrachtet "Viens" aus dem Jahre 1971 voller Enthusiasmus als eine ihrer besten Platten (und ich kann ihr hier nur beipflichten), obgleich sie damit (leider!) keine kommerziellen Erfolge erzielte. Aber genau dies war niemals wirklich ihr Ziel. Die Platte, eine Kooperation mit der brasilianischen Musikerin Tuca, besticht durch ihren Charme, unterlegt durch mäßige Orchestrierung und wunderschön melancholischer Lyrik:
"Viens",
die Einladung, auch dann zu kommen, wenn damit Leid verbunden ist: "Viens
et fais que tout soit terminé, lorsque tu devras t'en aller, moi je pourrais
mieux t'oublier. Ah viens!" (Hardy'scher Zynismus: Komm
und mache, dass alles vorbei sei; wenn du weggehen musst, kann ich dich dann
besser vergessen).
Ohne Worte: "Chanson
d'O". Chanson mit wenigen Worten "Reve"
(Traum): "Tu me merveilles comme un rêve, qui c'est enfin réalisé, et
tu me fais mal comme un rêve, dont il va falloir m'éveiller"
(Du erstaunst mich wie ein Traum, der schließlich Wirklichkeit geworden ist,
und du tust mir weh wie ein Traum, von dem man aufwachen musst).
"Oui
je dis adieu" - eines meiner Favoriten: das begründete Ende
einer freudlosen, einsamen Beziehung.
"Bati mon nid":
Ein bisschen Warten auf Godot, denn das Leben zieht vorbei, ohne Erfüllung.
1972 entstand ein Album "L'éclairage"; musikalisch ein bisschen Blues, ein bisschen Country & Western, alles in allem verwirrend und trotz des Titels "Beleuchtung" konzeptlos. Für Francoise eine unbefriedigende Zeit, denn ihre Beziehung zu Jacques Dutronc entspricht nicht dem, was sie glücklich machen könnte.
Francoise & Jacques Dutronc
Jacques, Thomas & Francoise
Ganz anders
das Album "Message
Personnel" aus dem folgenden Jahr. Der Titelsong ist inzwischen
ein echter Hardy-Standard. Michel Berger, der frühverstorbenen
Ex- Ehemann von Sangeskollegin France Gall, spielte ihr den Titel vor
und bat sie, das Stück nach eigenen Gutdünken zu ergänzen.
So kamen die gesprochenen Passagen zustanden. Ein gelungenes Chanson,
denn die Sprechstimme von Francoise ist schlichtweg bezaubernd, was
auch viele Kritiker zugaben!
(Anmerkung: "Message Personnel"
wird interpretiert von Isabelle Hubert im Film "8 Frauen"
("8 femmes") mit Catherine Deneuve, in dem ein weiterer Song
von Francoise zu hören ist: "Il n'y a pas d`amour heureux")

Die Platte hat ein durchweg positives Ambiente, denn: Francoise ist
schwanger. Die Platte beginnt auch gleich mit einem Wiegelied ("Berceuse").
Hervorstechend das Duett von und mit Georges
Moustaki (Bild unten) "L'Habitude"
(Die Gewohnheit). Unglaublich unbefangen: "Rever le nez dans
l'air" (Träumen mit der Nase im Wind).

Ein bisschen Liebe auf den ersten Blick beschreibt das Lied "Première Rencontre" (ebenfalls von Michel Berger).
Schließlich
"Entracte" (1974)....
Danach macht Francoise "Erziehungsurlaub" vom Showbiz. Ein
neuer Start ist
1977 mit "Star". Wie das weitergeht, lesen Sie bitte auf der
Seite "Gabriel Yared begleitet Francoise
Hardy".
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